38. KINDERFILMTAGE im Ruhrgebiet
19. September - 03. Oktober 2021
ESSEN - MÜLHEIM - OBERHAUSEN

Schulprogramm Essen

20. September – 01. Oktober 2021

Kino Eulenspiegel

Montag, 20.09.2021, 11:00 Uhr

Mina und die Traumzauberer

Dänemark 2020, 81 Min.
Regie: Kim Hagen Jensen
Animationsfilm
Sprecher*innen: Julia Beautx, Martin Reinl, Peter Rütten u.a.
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Empfehlung ab 6 Jahre

Mit MINA UND DIE TRAUMZAUBERER gelingt den dänischen Filmschaffenden um Kim Hagen Jensen und Søren Grinderslev Hansen ein herausragender Familienfilm, der auf verschiedenen Ebenen zu überzeugen versteht. Da ist zunächst die wunderbar funktionierende Grundidee, dass die Träume der Figuren tagtäglich im Traumland auf eigens errichteten Bühnen für jeden individuell aufgeführt werden. Diese Idee einer buchstäblichen Traumfabrik, mit der äußerst geschickt auf die Illusionsmaschine Film als solche Bezug genommen wird, ist von Drehbuch und Regie sehr einfallsreich und mit großer Detailfreude ausgearbeitet. Die äußerst vielschichtige Erzählweise bietet aber weit mehr als diese Grundidee: Motive wie Herausforderungen durch Patchwork-Familien, das Verarbeiten von Traumata, die Beeinflussung von Sozialen Medien sowie Werte wie Toleranz und Versöhnung als moralische Ebenen sind auf erstaunlich organische Art und Weise in die Handlung eingearbeitet. Nicht nur diese Themensetzungen lassen den Film – im Gegensatz zu manch anderem Produkt des klassischen "Family Entertainments" – frisch und modern erscheinen, sondern auch seine Figuren. Insbesondere die weibliche Haupt- und Identifikationsfigur zeichnet sich dadurch aus, dass sie den Folgen negativer Erfahrungen mit eigenem Handeln begegnet und so als eigenständiger und starker Charakter wahrgenommen wird.

Die gewisse inhaltliche Komplexität des Films muss gar nicht in Gänze erfasst werden, weil die verschiedenen Ebenen auch unabhängig voneinander funktionieren. Und so stellt sich eindeutig als eine Stärke des Films heraus, dass Gestaltung, Erzählung und Figuren jede Altersstufe gleichermaßen intelligent zu unterhalten versteht. Ein hohes Maß an Spannung, ein nach anfänglicher Gemütlichkeit deutlich anziehendes Erzähltempo, atmosphärisch wirkende Orchestermusik sowie die durchweg überzeugende Animation komplettieren den Eindruck von MINA UND DIE TRAUMZAUBERER als nicht nur besonders wertvollen, sondern auch besonders empfehlenswerten Kinderanimationsfilm.
(Deutsche Film- und Medienbewertung. FBW Jury-Begründung: Prädikat besonders wertvoll)

Dienstag, 21.09.2021, 11:00 Uhr

Catweazle

Deutschland 2021, 96 Min.
Regie: Sven Unterwaldt
Darsteller*innen: Otto Waalkes, Julius Weckauf, Katja Riemann u.a.
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Empfohlen ab 7 Jahren

Es ist das Jahr 1020 als der Hexenmeister Catweazle vor den barbarischen Normannen fliehen muss. Mit dem Zauberspruch "Salmei, Dalmei, Adomei!" will er sich auf und davon machen, doch das geht gehörig schief: Catweazle landet mitten im Deutschland der Gegenwart! Er trifft auf den 11-jährigen Förstersohn Benny, der Mitleid mit dem komischen Mann hat und ihn bei seinen Eltern versteckt. Die moderne Welt hält für den Zauberer und seine Kröte Kühlwalda einige Überraschungen bereit, von der Glühbirne über Toiletten bis hin zu Ampeln und Autos.Die Erfindungen der Moderne schockieren ihn, üben aber auch eine merkwürdige Faszination auf ihn aus, so dass er sich immer mehr mit der Gegenwart auseinandersetzt. Das ungleiche Duo macht sich auf die Suche nach Catweazles Druidenstab, denn nur mit dem hat der kauzige Druide die Chance, wieder in seine Zeit zurückzukehren.
(www.filmstarts.de)

Mittwoch, 22.09.2021, 11:00 Uhr

Yakari - Der Kinofilm

Frankreich, Deutschland, Belgien 2020, 82 Min.
Regie: Xavier Giacometti & Toby Genkel
Sprecher*innen: Diana Amft, Patrick Bach, Hans Sigl u. a.
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Empfohlen ab 5 Jahren

Inhalt
Der kleine Häuptlingssohn Yakari lebt mit dem Stamm der Sioux in der Prärie. Sein größter Traum ist es auf Kleiner Donner zu reiten, einem Wildpferd, das noch kein Stammesmitglied zähmen konnte. Als die Sioux gerade dabei sind eine Herde von Mustangs einzufangen, gelingt es Kleiner Donner zu entfliehen. Dabei gerät das Tier mit seinem Huf unter einen Felsbrocken. Yakari, der dem jungen Pferd gefolgt ist, kann es befreien und erhält dafür von seinem Totemtier Großer Adler die Gabe mit allen Tieren sprechen zu können. Yakari sucht weiter nach den Spuren von Kleiner Donner und fällt dabei in einen reißenden Fluss, der ihn von seinem Zuhause wegtreibt. Kleiner Donner kommt ihm jedoch zur Hilfe und bringt ihn, trotz gefährlicher Begegnungen, unter anderen mit dem Stamm der Pumafelljäger, auf abenteuerlichen Wegen durch das Gebirge zurück zu seinen Eltern, die bereits auf der Suche nach ihm sind. So entsteht eine wunderbare Freundschaft zwischen Yakari und seinem geliebten Pferd.

Umsetzung
Der Kinofilm über den achtjährigen Sioux-Jungen Yakari, der vielen Kindern und Eltern bereits aus den 50 Jahre alten Comics und den Fernsehserien aus den Jahren 1983 und ab 2005 bekannt ist, greift diese Vorlagen auf fantasie- und gefühlvolle Weise auf, erzählt aber eine neue, eigenständige Geschichte über die erste Begegnung von Yakari und Kleiner Donner, wodurch die tiefe Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Charakteren deutlich wird. Warme, freundliche Farben, die Weite der Prärie und schöne Landschaften mit zahlreichen Pflanzen und Tieren, die durch die vielen Vogelperspektiven sehr eindrucksvoll wirken; witzige, detailreich animierte, wie handgemalt wirkende Figuren und eine passende Musikuntermalung mit wenigen Songs, laden Kinder und Erwachsene dazu ein, sich in Yakaris Welt hineinzubegeben. Bemerkenswert an der Gestaltung des Films ist, dass es gelingt Spannung und Action so einzusetzen, dass auch jüngere Kinder nicht überfordert werden und sich sicher sein können, dass Yakari alle Gefahren überstehen wird. Trotz spannender Szenen bleibt auch immer wieder Zeit zum Betrachten von Hintergründen und Details.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Der Animationsfilm spricht Werte wie Freundschaft und Freiheit, Zusammenhalt und Respekt zwischen Menschen und Tieren und vor der Natur an. Diese Werte können mit den Kindern anhand einzelner Filmsequenzen im Gespräch, durch Nachspielen und durch kreatives Gestalten vertieft werden. Die Eigenschaften Yakaris wie Neugier, Mut und Vertrauen in die eigene Kraft können mit den Kindern thematisiert und die Figurengestaltung im Kinofilm kann mit den Charakteren aus der bekannten Fernsehserie und den Yakari-Comics verglichen werden. Grundschulkinder können die visuelle Gestaltung der Traumsequenzen im Film beschreiben und anhand der erzählten Geschichte über das Thema Helden diskutieren. Dabei kann auch die Rollenverteilung der männlichen und weiblichen Figuren hinterfragt werden. Ebenso kann der Film dazu anregen, sich über Nordamerika und die Traditionen der Sioux-Stämme zu informieren.
(Autorin: Sabine Kögel-Popp, Vision Kino)

Donnerstag, 23.09.2021, 11:00 Uhr

Max und die wilde Sieben

Deutschland 2020, 87 Min.
Regie: Winfried Oelsner
Darsteller*innen: Jona Eisenblätter, Uschi Glas, Alwara Höfels u. a.
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Empfohlen ab 8 Jahren

In einem Seniorenheim geht ein Dieb um! Der neunjährige Max ist frisch in die alte Burg Geroldseck eingezogen, wo seine Mutter als Pflegerin arbeitet. Mit gleichaltrigen Freunden tut er sich schwer, dafür aber rauft er sich mit drei vitalen "Alten" zum Detektiv-Team zusammen, das den Täter mit cleverer Kombinationsgabe aufspürt.

Bis sich alle verstehen und gegenseitig respektieren, müssen aber noch manche Vorurteile überwunden werden. Gleich zu Beginn wird Max von den alten Fahrgästen in einem Bus angefeindet, aber auch einige seiner neuen Mitschüler reden ziemlich herzlos über die "Grufties". Oft nimmt der Film kein Blatt vor den Mund, um zu zeigen, wie fern sich junge und alte Menschen sein können, wenn sie nicht gerade Enkelkinder und Großeltern sind. Doch er zeigt auch: Freundschaft, Respekt und Zusammenhalt sind wichtige Dinge, die man mit Menschen jeden Alters teilen kann.

Wie lässt sich so etwas besser erzählen als mit einer spannenden Detektivgeschichte? Der Film hat das Kinderbuch "Max und die wilde 7: Das schwarze Ass", in dem sich Max und die "wilde 7" neu kennenlernen, als Vorlage. Die rührige Ex-Filmschauspielerin Vera, der strenge Professor und Spinnenliebhaber Kilian und der frühere Fußballtrainer Horst sind im Seniorenheim ähnlich Außenseiter wie Max in der Schule, und nach einigen Startschwierigkeiten werden sie und Max ein unschlagbares Gespann, vor allem weil es sich respektiert und sich gegenseitig hilft. Die Geschichte verlässt sich dabei weniger auf Handy, Computer und Internet als auf die kluge Kombinationsgabe der ungleichen Schnüffler, die bei ihren Ermittlungen, aber auch bei ihrer Freundschaft noch einige Enttäuschungen verkraften müssen. So altmodisch das erzählt wird, so frisch und kurzweilig ist das Abenteuer dank der jungen und alten Schauspielrinnen und Schauspieler, die die Schwächen und Marotten ihrer Figuren sehr sympathisch darstellen. Und bei den vielen Einfällen und Gags denkt man immer auch über seinen eigenen Umgang mit der jeweils anderen Generation nach.
(www.kinderfilmwelt.de)

Freitag, 24.09.2021, 11:00 Uhr

Vorstadtkrokodile / Der Kinderfilmklassiker

Deutschland 2009, 98 Min.
Regie: Christian Ditter
Buchvorlage: Max von der Grün
Darsteller*innen: Nick Romeo Reimann, Fabian Halbig, Leonie Tepe, Smudo u.a.
FSK: ab 6 Jahren
Empfohlen ab 9 Jahren

Inhalt
Der zehnjährige Hannes wächst bei seiner allein erziehenden Mutter auf. Sein großer Traum ist es, von der Kinderclique der "Vorstadtkrokodile" aufgenommen zu werden. Bei der dafür notwendigen Mutprobe gerät Hannes in Lebensgefahr. Erst in letzter Minute wird er von Kai gerettet, der auch unbedingt zur Bande gehören möchte. Kai sitzt im Rollstuhl und wird von den "Vorstadtkrokodilen" viel gehänselt. Für sie ist er nur der "Spasti", der noch nicht mal wegrennen kann, wenn's brenzlig wird. Als Kai einen nächtlichen Einbruch beobachtet, wird er plötzlich interessant für die Clique. Doch er will nur reden, wenn er mitkommen darf. Mit seiner Hilfe und mit viel Ideenreichtum und Mut machen sich die "Vorstadtkrokodile" daran, den Fall zu lösen und es mit der jugendlichen Einbrecherbande aufzunehmen.

Umsetzung
Der klassische Kinderstoff wurde in zeitgemäß überaus gelungener Form adaptiert. Dabei entstand nicht nur eine modernisierte Literaturverfilmung, sondern es wurde mit einem durchgängig ausgezeichneten Schauspielerensemble "ein neues Original, in die Jetztzeit adaptiert" (Produzent Christian Becker). Die Namen wurden teilweise abgeändert, neue Figuren eingefügt und der in den letzten dreißig Jahren veränderten deutschen Gesellschaft vielfältig Rechnung getragen. So gibt es Kinder mit Migrationshintergrund, allein erziehende Eltern und ein deutlich emanzipierteres Frauen- und Mädchenbild. Auch filmisch werden im Vergleich zur Erstverfilmung von 1977 (Regie: Wolfgang Becker) andere Mittel eingesetzt. Dazu gehören häufig verwendete Zooms, Kamerafahrten und -schwenks, die stärker ans Actionkino als an die Tradition des Sozialdramas angelehnt sind. Durch ein hervorragendes Drehbuch, das Themen wie die Behinderung Kais prägnant und tabulos in den Vordergrund rückt, wirkt der Film dennoch nicht vordergründig unterhaltend. Lediglich die Verwendung von Filmmusik wird überstrapaziert und schadet manchmal dem stimmig in Szene gesetzten Ruhrpottlokalkolorit und der Figurenbetrachtung.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Diese Buchverfilmung erweist sich als Glücksfall in Bezug auf den Vergleich von Literaturvorlage und filmischer Umsetzung, da beide Medien in ihrer jeweiligen medialen Form den Inhalt altersadäquat und gut analysierbar in spannender und motivierender Form darstellen. Neben der Gegenüberstellung der medialen Vermittlungsformen bietet es sich an, eine ausführliche Figurenanalyse erstellen zu lassen, die in der Zusammenschau der Charaktere in Film und Buch die Unterschiedlichkeit einer Kindheit in den 1970ern im Vergleich zum Kindsein heute evoziert und auch eine soziohistorische Durchdringung der Veränderung des Lebens in Deutschland während der letzten dreißig Jahre nahe legt. Weitere Themenschwerpunkte sind der Umgang mit Außenseitern und die Bedeutung einer Clique für Kinder und Jugendliche sowie ein Betrachtung dessen, wie Gesellschaft und Individuum mit behinderten Menschen umgehen. In diesen Zusammenhängen bietet sich der methodische Einsatz von Rollengesprächen und Rollenspielen an.
(Autor: Dr. Martin Ganguly, Vision Kino)

Montag, 27.09.2021, 11:00 Uhr

Die Olchis - Willkommen in Schmuddelfing

Deutschland/Belgien 2021, 86 Min.
Regie: Tobias Genkel / Jens Møller
Buchvorlage: Erhard Dietl
Animationsfilm
Sprecher*innen: Annemarie Carpendale, Wayne Carpendale u.a.
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Empfohlen ab 6 Jahren

Als die Olchi-Familie auf der Suche nach einem neuen Zuhause mit ihrem fliegenden Drachen Feuerstuhl in Schmuddelfing landet, fühlt sie sich sofort wohl, denn direkt neben dem pittoresken Örtchen türmt sich der Unrat auf einer Müllkippe hoch auf. Das ist genau der richtige Platz für die Olchis, denn die grünen Geschöpfe lieben Müll aller Art und essen ihn auch gerne. Die Bewohner von Schmuddelfing fühlen sich von dem üblen Geruch, der bereits den Tourismus zum Erliegen gebracht hat, allerdings sehr belästigt. Daher stößt der Plan des windigen Baulöwen Hammer, die Deponie durch einen Wellnesstempel zu ersetzen, bei ihnen und bei der amtierenden Bürgermeisterin auf großen Zuspruch. Deren elfjähriger Sohn Max will auch etwas gegen die Müllhalde unternehmen: Mit dem verrückten Professor Brausewein und dessen Nichte Lotta tüftelt er an einer Maschine, die den Gestank des Mülls aufsaugen und neutralisieren soll. Allerdings funktioniert sie noch nicht so richtig. Als Max die Olchis kennenlernt, ist ihm sofort klar, dass ihr Verbleib auf der Deponie die Lösung aller Probleme wäre: Die grünen Wesen hätten ein neues Zuhause, und die Bewohner von Schmuddelfing könnten aufatmen, denn die Olchis würden den Müll vernichten. Dieser Plan passt allerdings nicht allen, und Max und seine Freunde müssen all ihren Ideenreichtum aufbringen, um ihn umzusetzen.

Nach mehr als dreißig Jahren, in denen "Die Olchis" in der Kinderbuchserie des Autors und Illustrators Erhard Dietl und deren diversen Adaptionen die Kinder erfreut haben, erobern die grünen Wesen jetzt die Leinwand, wo sie ihren Beitrag zur Müllverwertung leisten und für die Akzeptanz von Fremden werben. Der Produktionsfirma WunderWerk und den Regisseuren Toby Genkel (der mit John Chambers auch das Drehbuch schrieb) und Jens Møller ist die Umsetzung der Geschichte und Charaktere in 3-D-Animation gut gelungen. Für Fans gibt es einen hohen Wiedererkennungswert, und Neulingen wird der Eintritt ins Olchi-Universum leicht gemacht.

Die Charaktere und ihre Umgebung sind sehr phantasievoll gestaltet. Schmuddelfing ist ein wirklich hübscher kleiner Ort, abgesehen von den Plastiktüten, die gelegentlich vom Wind durch die Straßen geweht werden. Die Figuren weisen individuelle Besonderheiten auf und sind sehr liebevoll und detailreich modelliert und gut animiert. Fliegen kreisen über den Köpfen der Olchis, eingeblendete Chatverläufe zeugen von der Kommunikation zwischen Max und seiner Mutter. Man kann sofort mitfühlen mit dem Jungen, der von seiner Mutter mit alerhand eng getakteten Aufgaben traktiert wird und damit optimal auf eine Karriere in der Leistungsgesellschaft vorbereitet werden soll.

Die Geschichte ist nicht unkompliziert, und die Motivationen der einzelnen Charaktere, z.B. des Bösewichts, werden mitunter in längeren Monologen erläutert. Allerdings ergibt der Wettlauf mit der Zeit einen schönen Spannungsbogen, wobei die bewegliche Kamera den Wendungen der Geschichte sehr geschickt folgt und durch die fröhliche, aber nie aufdringliche Musik gut unterstützt wird. Während Max seinen Plan umsetzt und dabei mutiger und risikofreudiger wird, treten nicht nur Lotte und der Professor in den Hintergrund, sondern auch die titelgebenden Olchis scheinen zwischenzeitlich an den Rand gedrängt zu werden. Allerdings akzentuiert die Olchi-Farbe Grün nahezu jede Szene des Films und sorgt für deren Präsenz, lang bevor sie tatsächlich in die Gemeinschaft integriert werden. Hilfreich ist, dass die Mutter durch eine überraschende Wendung dazu gebracht wird, einen anderen Standpunkt einzunehmen und sich für Neues öffnen kann. So erzählt der Film ebenso kindgerecht wie unterhaltsam eine Geschichte, die ganz ohne erhobenen Zeigefinger wichtige Werte und Inhalte vermittelt: Wie wichtig es ist, mit Offenheit und Toleranz auf andere Menschen und fremde Kulturen zuzugehen, voneinander zu lernen und gemeinsam Probleme zu lösen.
(Deutsche Film- und Medienbewertung. FBW Jury-Begründung: Prädikat besonders wertvoll)

Dienstag, 28.09.2021, 11:00 Uhr

Jim Knopf und die wilde Dreizehn

Deutschland 2020, 110 Min.
Regie: Dennis Gansel
Buchvorlage: Michael Ende
Darsteller*innen: Solomon Gordon, Henning Baum, Michael Bully Herbig u.a.
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Empfohlen ab 7 Jahren

Der Familienfilm JIM KNOPF UND DIE WILDE 13 erzählt die abenteuerliche Geschichte des gleichnamigen Kinderbuches von Michael Ende. Staatskrise in Lummerland! Wegen eines fehlenden Leuchtturms hat sich in kürzester Zeit die Zahl der Schiffsunglücke besorgniserregend erhöht und so müssen sich Jim und Lukas ein weiteres Mal in Abenteuer stürzen. Jim freut sich, endlich wieder etwas Spannendes zu erleben, doch die nun folgenden Abenteuer hätte selbst er sich nicht erträumen können. Aus dem einfachen Auftrag, einen Leuchtturm für Lummerland zu finden, wird schon bald weitaus mehr, als sie zuerst von einer Meerjungfrau um Hilfe gebeten werden, dann den Scheinriesen Herrn Tur Tur auffinden müssen und Nepomuk dem Halbdrachen ein neues zu Hause suchen wollen. Jim bekümmert weiterhin die Frage seiner Herkunft, und zusätzlich werden sie von der Wilden 13, den berühmt berüchtigten und unbesiegbaren Piraten bedroht. Werden Jim und Lukas, geleitet vom goldenen Drachen der Weisheit, die Rätsel lösen können?

JIM KNOPF UND DIE WILDE 13 setzt den ersten Kinofilm JIM KNOPF UND LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER auf gelungene Weise fort. Wir geben ihm 5 Sterne, da er die Geschichte sehr unterhaltsam und spannend erzählt. Die drei wichtigen Botschaften des Filmes sind: Die schlimmsten Feinde können sich ändern und zu Freunden werden. Man sollte nicht blind dem folgen, was einem beigebracht wird, sondern sich selbst ein eigenes Urteil bilden. Egal wer du bist, irgendwo ist ein Platz für dich. Durch die stark ausgeprägte Farb- und Lichtgestaltung wird eine besondere Atmosphäre geschaffen, welche durch die fesselnde Musik des Babelsberger Filmorchester unterstrichen wird. Sehr gut gefallen hat uns die Besetzung mit bekannten Schauspielern, wodurch ältere Zuschauer auch ihren Spaß an dem Film haben können. Wir empfehlen den Film erst ab 7 Jahren, da er wegen der durchaus komplexen Handlungsführung, spannender Kampfszenen und der erwähnten fesselnden Atmosphäre für jüngeren Kinobesucher verängstigend sein könnte.
(FBW-JUGEND FILMJURY)

Mittwoch, 29.09.2021, 11:00 Uhr

Drachenreiter

Deutschland / Belgien 2020, 91 Min.
Regie: Tomer Eshed
Buchvorlage: Cornelia Funke
Animationsfilm
Sprecher*innen: Julian Bam, Dagi Bee, Mike Singer, Rick Kavanian u.a.
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Empfohlen ab 7 Jahren

Inhalt
Eine abenteuerliche Reise beginnt: Silberdrache Lung, Koboldmädchen Schwefelholz und der menschliche Waisenjunge Ben, der sich als Drachenreiter ausgibt, machen sich zusammen auf die Suche nach dem "Saum des Himmels", dem letzten Zufluchtsort der Drachen, seit die Menschen sich gegen diese gewendet haben. Der noch junge Silberdrache Lung möchte beweisen, dass er ein richtiger Drache ist, da kommt ihm das Fliegen um die halbe Welt ganz recht. Die Reise der drei ungleichen Freunde ist voller Abenteuer und außergewöhnlicher Erlebnisse, bis sie endlich den ersehnten Ort erreichen, den sie so lange gesucht haben. Am meisten setzt ihnen dabei das gefährliche, drachenfressende Ungeheuer Nesselbrand zu, mit dem sie es nur durch ihren Zusammenhalt aufnehmen können. Gemeinsam erreichen die drei Freunde, dass die Drachen endlich wieder in Frieden leben können.

Umsetzung
Das Spielfilmdebüt von Regisseur Tomer Eshed basiert auf Motiven des international bekannten Fantasy-Romans "Drachenreiter" von Cornelia Funke. In warmen, schön ausgeleuchteten Farben, mit atmosphärisch passender Musik und phantasievoll gestalteten Figuren, erzählt der Animationsfilm das große Abenteuer von drei sehr unterschiedlichen Freunden, die sich erst zusammenraufen müssen. Die gemeinsame Reise auf der Suche nach dem letzten Paradies der Drachen enthält viele spannende Passagen und witzige Momente, die besonders Kinder im Grundschulalter faszinieren. Jüngere Kinder könnten von den actionreichen Kämpfen mit Monster Nesselbrand und anderen Verfolgern der drei Freunde teilweise überfordert sein. Besonders sehenswert ist auch der scherenschnittartig gezeichnete Vor- und Abspann, in den die in 3D animierte Geschichte eingebettet ist.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Mit dem kleinen Silberdrachen Lung werden sich viele Kinder identifizieren können. Von den anderen Drachen wird Lung noch nicht voll anerkannt, weil er unter anderem nicht wirklich Feuer spucken kann und so möchte er gerne beweisen, dass auch er ein richtiger Drache ist. Dass sie etwas noch nicht so gut können, oder man ihnen etwas nicht zutraut, kennen Kinder aus eigener Erfahrung. Hier bietet der Film Anknüpfungspunkte, sich darüber Gedanken zu machen, wie man den Mut nicht verliert und trotz Schwierigkeiten an einer Aufgabe wachsen kann. Auch die Streitigkeiten zwischen Schwefelholz und Ben geben Anlass dafür, sich darüber auszutauschen, dass viele Ziele nicht im Alleingang, sondern nur als Team erreicht werden können. Denn Freundschaft und Zusammenhalt stehen im Mittelpunkt des Abenteuers. Ebenso kann die Wirkung der Farb- und Figurengestaltung des Animationsfilms besprochen werden. Ältere Kinder können den Film mit dem Roman von Cornelia Funke vergleichen. Die Kinder können zu den Figuren des in 2 D-gezeichneten Vor- und Nachspanns eigene Zeichnungen anfertigen.
(Autorin: Sabine Kögel-Popp, Vision Kino)

Donnerstag, 30.09.2021, 11:00 Uhr

Madison - Ungebremste Girlpower

Deutschland / Österreich 2020, 97 Min.
Regie: Kim Strobl
Darsteller*innen: Felice Ahrend, Florian Lukas, Maxi Warwel u. a.
FSK: ab 6 Jahren
Empfohlen ab 9 Jahren

Madison ist erst zwölf Jahre alt und schon eine richtige Radrennfahrerin. Doch die ehrgeizige Sportlerin wird auf den Boden der Tatsachen geholt, als sie von einem sehr wichtigen Trainingscamp ausgeschlossen wird. Als ihr Vater Wind davon bekommt, ist er enttäuscht, schließlich ist er selbst ein international bekannter Radprofi und seine Tochter soll ihm einmal in nichts nachstehen. Anders als vorgesehen, steht Madison nun ein sehr langweiliger Sommer mit ihrer Mutter Katharina in den Bergen Tirols bevor. Als Madison dann auch noch das Rennrad an den Nagel hängen und auf ein Mountainbike umsatteln soll, scheint der Sommer für Madison endgültig gelaufen. Es dauert aber nicht lange und Madison findet mit Vicky, Jo und Luggi Verbündete. Und nicht nur das: Eigentlich sind es sogar die ersten richtigen Freunde, die sie je hatte...
(www.filmstarts.de)

Freitag, 01.10.2021, 11:00 Uhr

Binti - es gibt mich!

Belgien / Niederlande 2019, 86 Min.
Regie: Frederike Migom
Darsteller*innen: Bebel Tshiani Baloji, Mo Bakker, Joke Devynck u.a.
FSK: ab 6 Jahren
Empfohlen ab 9 Jahren

Inhalt
Zufällig trifft die zwölfjährige Binti auf Elias, der in seinem Baumhaus den Okapi-Club gegründet hat. Binti bietet ihm ihre Hilfe an. Mit Videos wollen sie die Aufmerksamkeit auf die vom Aussterben bedrohten Tiere lenken. Denn Binti kennt sich aus, für ihren eigenen Kanal dreht sie Videos über ihr Leben. Mit ihrem Vater Jovial lebt sie ohne Papiere. Und obwohl Binti in Belgien aufgewachsen ist und das Heimatland ihres Vaters, den Kongo, nicht kennt, droht ihnen eine Abschiebung dorthin. Als das besetzte Haus, in dem sie gerade vorübergehend leben, von der Polizei geräumt wird, müssen sie schnell verschwinden. Zum Glück kommen sie bei Elias und seiner alleinerziehenden Mutter unter. Binti wünscht sich schnell, dass die bei-den ihre neue Familie werden. Denn sie haben nicht nur unglaublich viel Spaß zusammen, eine Hochzeit von Bintis Vater und Elias' Mutter könnte auch den Aufenthalt in Belgien langfristig sichern.

Umsetzung
Bintis Lebensfreude, ihre Spontaneität und ihr Humor machen den Film zu einem mitreißenden Erlebnis. Die Einblicke in die Welt aus ihren Augen, in den Videos für ihren Kanal, sind aufgedreht und lebensfroh. Weitere lustige Szenen bringen die Aktionen rund um den Okapi-Club. Die Dynamik zwischen Elias und Binti zeigt sensibel den Beginn einer tiefen Freundschaft. Der Film ist ein bunter, fröhlicher Kinderfilm mit einem harten Thema. Bintis Lebensrealität ist auch von Angst geprägt. Die ständige Bedrohung der Ab-schiebung in ein fremdes Land ist allgegenwärtig. Der Film bezieht darin ganz klare politische Stellung. "Es gibt mich!" ist Bintis zweifellose Antwort auf alle Fragen rund um rechtliche Grundlagen ihres Aufenthalts. Die Flucht aus dem besetzten Haus vor der Polizei, die Angst des Vaters sobald sich Polizist*innen nähern und die Szenen der Festnahme von Binti und ihrem Vater werden in ihrer ganzen Brutalität und Härte erlebbar. Mögliche Vorerfahrungen des Publikums, vor allem von Kindern und Jugendlichen mit eigenen Migrations- und Fluchterfahrungen, sollten auf jeden Fall bedacht werden.

Anknüpfungspunkte für die pädagogische Arbeit
Neben der Beschäftigung mit den Themen Abschiebung und Illegalität, die im Zusammenhang mit dem Film wesentlich ist, bietet der Film viele Anregungen zur kreativ-praktischen Arbeit. Viele Kinder und Jugendli-che konsumieren und/oder produzieren eigenen Content. Bintis schrille, kreative Videos können Vorbild für eigene Videoarbeiten sein. Elias engagiert sich für Okapis. Wofür engagieren sich andere Kinder und wofür oder wogegen würden sich die Kinder im Publikum gerne engagieren? Elias' Mutter entwirft Mode und näht gemeinsam mit Binti Kostüme für das Okapi-Event. Wie sieht der Beruf einer Modedesignerin oder eines Schneiders aus? Wie wird eigentlich ein Kostüm genäht? Wieso nicht selbst mal das Nähen ausprobieren? Bintis Vater ist Poet und schreibt Gedichte. Themen des Films wie Zuhause, Familie und Freundschaft können zu Schlüsselthemen für eigene Gedichte werden. Das Happy-End des Films könnte auch für einigen Gesprächsstoff sorgen.
(Autorin: Laura Caterina Zimmermann, Vision Kino)

Programmänderungen vorbehalten!